Von Feinden und Gewässern (wT)

Juli 4, 2012 in Blog, Stories

Part eins: Alles unter Kontrolle

2000 Meter über dem Atoll stellte Henry die verhängnisvolle Frage: „Na, Jeff, was glaubst du? Wieviel Liter von dem Zeug müssten wir deiner Mutter einflößen, das sie willig wird?“ Die alte Tupolew, in deren Pilotensitz mich mein Leben gehustet hatte, war bis unters Heck mit Nitralalkohol beladen. Jene, schon in winzigen Mengen Rauscherzeugende Flüssigkeit die sich die Jungs in den EnCorp Laboratorien zusammengebraut hatten, und zu horrenden Preisen vertickten. Das Zeug hatte keinerlei Nebenwirkungen, verursachte nur einen gigantischen Rausch, der in seiner Herrlichkeit leider den klitzekleinen Haken hatte, das man ihn immer wieder erleben wollte. Wir saßen also auf mehreren Gallonen Seelengift, eingepfercht in eine marode Maschine, die Ihre besten Tage weit hinter sich hatte. Neben mir, auf dem Sitz des Co-Piloten, Henry. Zumindest hatte er sich uns so vorgestellt. Eine Witzfigur vor dem Herrn. Sein unheimlich kleiner Kopf saß wie aufgepflanzt auf einem viel zu langen, dünnen Hals, der in einen merkwürdig gedrungenen Körper endete. Seine roten Haare waren zu einem schmierigen Pferdeschwanz zusammengebunden, und die Art wie er das Steuer in seinen hageren Händen hielt, und durch seine runde Nickelbrille in den Himmel kniff, lies mich das schlimmste Ahnen. „Sie sind so ein Flugzeug doch schon einmal geflogen?“ hatte ich ihn beim ersten Treffen noch gefragt. „Haha, ein ganz ähnliches, keine sorge, Bruder.“ hatte er gefeixt. Ich wusste nun das ich mit meiner Vermutung damals richtig lag, dieser Mann hatte noch nie ein Flugzeug von innen gesehen.

„WAS HAST DU ÜBER MEINE MUTTER GESAGT?“ Die hinter uns aufbrausende Stimme, die sich eher wie das Brechen einer 20 Meter Welle an einer Steilklippe anhörte, gehörte zu Jeff. Jeff war offiziell „der Mann fürs grobe“. Doch im Grunde war klar: die Gruppe hatte ihn angeheuert um ein wenig auf uns aufzupassen. Ich erkenne Wachhunde inzwischen blind. Jeff war ein besonders übles Exemplar. Eins ohne Maulkorb. Eins von den Dingern bei denen man sich fragt „wie kann man nur so ein hässliches, böses Vieh als Haustier halten?“ Die Gruppe konnte. Er war ihr bester Mann, das hatte mir Robin noch vor Abflug gesteckt.

All dieses Vorzeichen, das mit diesem Kerl evtl. schlecht Kirschen essen ist, hatten Henry jedoch keinen Deut interessiert. Kaum waren wir in der Luft, machte er es sich zur Aufgabe unseren dunklen Schatten bis aufs Blut zu reizen. Doch die vielen, „sehr unfreundlichen“ Kommentare zu Jeffs kosakischer Herkunft, die Anspielungen auf seine nicht vorhandene Schulbildung… all das glitt an ihm ab. Henry schien schon die Lust verloren zu haben, ich hatte mich bereits mit dem Gedanken an eine ruhigen Flug angefreundet, da kam ihm in den Sinn, Jeffs Mutter könnte evtl. ein lohnendes ziel seines Hohns sein. Treffer Henry, ganz großartig.

Ein Blick über die Schulter gewahrt mir ein vor Hass verzerrtes Gesicht, das sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit aus dem Laderaum ins Cockpit bewegt. Das Gesicht schiebt zwei wütend ausgestreckte Hände vor sich her, geradewegs auf einen, immer noch vor sich hin glucksenden Henry zu. Die Zeit verlangsamt sich. Ich versuche dem drohenden Fiasko etwas entgegenzusetzen. Schreie. „Nicht! Nein! Kein Kampf im Cockpit das ist zu gefäh“ Da haben sich Jeffs Hände bereits von hinten um den Hals von Henry gelegt. Er zieht ihn einfach aus dem Sitz nach oben, mein „Co-Pilot“ hängt strampelnd und ächzend in der Luft. Währenddessen brüllt Jeff ohrenbetäubend etwas von „Rache!“ und „Ehre!“, doch er hat sich offensichtlich in Henry Gewicht verschätzt. Zu dieser Annahme komme ich, als mir, in einem wilden, um sich treten- und schlagenden Wust, zwei schwere Körper von hinten in den Rücken fallen. Ich spüre etwas dumpfes, wuchtiges, gegen meine Schläfe prallen. „Stiefel mit Stahlkappe.“ Denke ich mir noch, und ein gräulich weißer Schleier legt sich um mich. Jetzt nur nicht ohnmächtig werden! Ich spüre wie ein Ruck durch die Maschine geht. Mein Magen gibt mir ein erstes Alarmsignal. Dumpf dringt das Geschrei der beiden Streithähne durch die nahende Ohnmacht an mich heran. Ein unglaublich mühsamer Blick nach vorn zeigt mir eine blaue Wasserfläche, und Inseln die auf eine komische Weise immer größer werden. WIR STÜRZEN AB! Ich versuche krampfhaft bei Bewusstsein zu bleiben, doch der Sog, das verlangen nach „sich einfach fallen lassen“ wird immer größer. Ich bin im Cockpit! Ich muss handeln! Wir werden alle verdammt noch mal drauf gehen wenn ich die Kontrolle verliere.. die Kontrolle verliere… verlie.. .verlier. ver. .. v.

Traumprotokoll: Die Hexen vom Nadelwald

Juni 19, 2012 in Blog

Ich träumte heute Nacht von einem Wald, in dem ich mit ein paar Freunden unterwegs war. Vor uns lief eine Gruppe Touristen, die in loser Formation und gelben Regenmänteln den Wald durchstreiften. Es war recht Dunkel, der Wald war ein Laubwald, die Art der Bäume selbst kann ich nicht genau zuordnen. Die Touristengruppe befindet sich ca. 100 Meter vor uns, da erfüllt ein Ohrenbetäubendes Knacken und Krachen die Waldluft. Langsam, fast wie in Zeitlupe, stürzt einer der Bäume um und begräbt einen der Gelbjackenträger unter sich. Geschrei, Tumult, „Ohmeingott, warum ist…“ Es knackt erneut, ein weiterer Baum sucht sich sein Opfer unter den nun hysterisch umherlaufenden Waldbesuchern. Und ein weiterer, und dein weiterer. In Einer schieren Selbstmordaktion tötet der Wald die Störenfriede, einer nach dem anderen. „Es muss für dieses Unheil eine Quelle geben!“ Höre ich mich selbst sagen, und rate meinen Freunden besser „In den Nadelwald-Teil“ des Waldes zu gehen dort „wirkt der Zauber nicht“.(?)
Der Nadelwald ist noch dunkler als der Rest des Waldes. Haben Sie schon mal in einen dichten Fichtenwald gesehen? Genau so dunkel war es. Ich und meine Freunde trugen inzwischen Waffen. Ich Pfeil und Bogen, die anderen altertümliche Schwerter. Wir schlichen zu einer nahen Lichtung, ich weiß nicht mehr was uns dort hin führte, aber wir wussten instinktiv das von dort die Befehle für die Baumumstürzungen gegeben wurden. Schon von Weitem sah man grün/gelbes Licht, und umherwabernde Gestalten. Mit dem näherkommen erkannte man den fliegenden Dämon, welchen eine Gruppe Hexen, die Beschwörungen murmelnd in der Mitte der Lichtung stand, entfesselt hatte. Wir bezogen ungesehen Stellung, hinter einer kleinen Felsformation. Ich wusste genau was zu tun war. Eine der Hexen hielt ein Oktagon-Förmigen, großen, farbigen Stein, der den Dämon nährte. Ich würde dieser Hexe einen Jagdpfeil geradewegs durch die Schläfen Hämmern, sie direkt ausschalten, kaltmachen mit perfekter präzision. WIe ich es schon so oft getan hatte. Ich griff zum Köcher auf meinem Rücken. Und erstarte. Da war kein Köcher. Ich hatte ihn und die Pfeile zuhause liegen lassen, als ich meine Kleidung für den Waldausflug zusammenlegte. Ich geriet in Panik. Ich wusste: Es gab ansonsten nur einen einzigen Pfeil, der in einer Tüte mit Weihnachtsdekoration steckte, die ich selbstverständlich dabei hatte. Ich leerte die komplette Tüte auf dem Waldboden aus und wühlte in dem Inhalt wie ein gestörter. Da lag er plötzlich vor mir, ich konnte mein Glück kaum fassen. Ein perfekt gearbeiteter PFeil, Schaft aus Holz, schöne Federn am Ende, und eine perfekte Spitze aus feinstem Stahl. Endlich würde es der Hexe an den KRagen gehen, ich würde ihr Hirn über die ganze Lichtung verteilen. wenn ich nur …*KNACKS*
Einer meiner Mitstreiter war auf den Pfeil getreten. Er war kaputt. Irreparabel. Das war zuviel für mich. „Ich gehe nun nach Haus.“ Waren meine verabschiedenden Worte an meine Freunde, und ich ging den Weg zurück. Sie kamen mir hinterher, versuchten mich zu überreden doch noch etwas zu bleiben… Und als das nicht fruchtete, kamen sogar einige Hexen und sagten das sie es schön fänden wenn ich bliebe, ja sogar die Hexe mit dem Stein sagte, sie fände es doof wenn ich ginge und das „So ein Überfall auch ohne Pfeile Spaß macht.“. Doch das war alles verschwendete Zeit. Ich war untröstlich, und wanderte alleine durch den Wald nach Hause.Ohne Pfeile ist ein Überfall einfach nicht das Selbe.

April 12, 2012 in Blog

22

Twitter: Signing out. Signing out forever.

April 12, 2012 in Blog

Ich habe meinen Twitter-Account gelöscht. Wen dieser Umstand und das „Warum“ interessiert, der sollte nun weiterlesen, wen nicht, der kann diesen Artikel überspringen.

Mich fragte Herr @Sonderbayer via Formspring:

Lieber Devox, Sie waren mein erster Follower und ich hoffe die Frage ist gestattet. Warum kehren Sie Twitter den Rücken? Okay, er ist staubig, aber es muss ja noch andere Gründe geben. Ich mag/mochte Ihre Tweets. Grüße aus Sonderbayern.

Gerne doch Herr Sonderbayer, Sie sind mir auch einer der liebsten gewesen.
Leider gibt es zu wenige von Ihrem Schlag.

Ich twittere jetzt seit 3 Jahren. Ich habe das immer sehr gerne getan, nicht wegen dem eigentlichen Twitter-Sinn, der schnellen Information, sondern wegen der unglaublich geistreichen Sprüchlein, den Gedanken die da Andere haben, die mich zum lachen und Nachdenken bringen, und bei denen ich mich irgendwie ein klein wenig in guter Gesellschaft fühlte. Ich hatte wirklich den Eindruck da gleichgesinnte zu lesen, für gleichgesinnte zu schreiben, und von gleichgesinnten ein klein wenig Anerkennung in Form von Favs für ein paar Geistesblitze zu erhalten, bevor diese für immer im Orkus des Vergessens verschwinden.

Das ist Twitter für mich. Ein Überlaufbecken, in das ich all meine Gedanken fließen lasse die woanders keinen Platz mehr haben. Und es war toll die nicht nur in ein Büchlein zu kritzeln, sondern da Menschen zu haben die mit dem was sie denken irgendwie „aus der selben Ecke“ kommen wie man selbst. Menschen die sich auszudrücken wissen, die evtl. auch ein bisschen schreiben, sich für Bücher interessieren, einfach nicht doof sind… Bestärkt wurde das ganze durch ein Treffen mit einer Twitterdame, mit der ich mich auf Anhieb blendend verstand. Da lag die Vermutung nahe das es da noch mehr tolle Menschen gibt.

Nun hat mir vor ein paar Wochen ein größeres Twittertreffen gezeigt das ich vollkommen falsch lag. Ich und die Twitter-Masse kommen nicht aus der selben Ecke, nicht mal vom selben Planten. Ich habe mit dem Großteil dieser Menschen die dort schreiben nichts gemein. Gar nichts. Ich will eigentlich nicht fies werden, ich konnte es bisher vermeiden wenn ich darüber sprach. Doch ich muss es wohl anklingen lassen: Ich war entsetzt von dem tumben Volk das da herumeumelte. Evtl. habe ich nur mit den falschen Menschen gesprochen/zugehört/gesehen, und so 6 bis 7 liebe Menschen habe ich dort ja auch getroffen. Doch der Großteil steckt noch mitten in seiner Pubertät. Mit 30+. Das ist sehr, sehr traurig. Für viele ist dieses Netzwerk und was dort geschieht elementarer Teil Ihres Lebens. Es ist real für sie. Die Streitereien und Querelen, und der Inzest der da für postpubertäre Beziehungsdramen sorgt. Für mich ein einziges Rätsel.

Und eigentlich kenne ich diesen Schlag Mensch doch so unglaublich gut. Ich bin jetzt seit ca. 15 Jahren im Netz unterwegs, war in allen möglichen Communitys, und ich glaube so mit 15, 16 war die ganze Sache für mich auch „echt“. Doch ich habe frühzeitig gelernt wie die Wirklichkeit aussieht, und die ist fett, hässlich und psychisch gestört. Warum ich das nicht auch bei Twitter von Anfang an vermutete weiß ich nicht mehr so genau. Ich dachte halt die ganzen guten Tweets wären nicht nur Glückstreffer und geschicktes klauen, und wo was so geistreiches sprießt gäbe es nur wenig Dummheit.

Doch mir wurde im laufe des Abends immer mehr bewusst das ich die letzten 3 Jahre nicht Gleichgesinnte sondern einen Haufen Versager bespaßt hatte. Das war eine recht bittere Erkenntnis, weil ich mich eigentlich für einen recht guten Menschenkenner halte.

Doch für die 20 Follower die ich anders Einschätze lohnt es sich einfach nicht weiter zu schreiben. So bleibe ich bei meinem Blog, und hin und wieder hier bei Formspring.

Tja, so ist das.

Freundschaft mit Löwen, Chips und dem Tod

April 1, 2012 in Blog

Es hatte keinen Sinn, der Hummer H1 ist festgefahren. „ALLE RAUS! WIR MÜSSEN SCHIEBEN!“  Die Eiseskälte nimmt mir beim Öffnen der Beifahrertür fast den Atem. Mit einem kawasaki-grünen klappspaten bewaffnet stapfe ich um das auto, um die Ursache des versackens auszumachen. Der Schnee liegt gut 50 cm hoch, der Waldweg ist nur durch das nicht Vorhandensein von Bäumen zu erkennen. Vorn stehen Markus und Richard, Personen die ich noch nie gesehen habe, um die front des Autos. „JETZT SIEH SICH DAS EINER AN!“ Die Front des Hummers war in den Weg abgesunken. An der Stelle war der Schnee auf der Straße getaut und hatte einen kleinen Teich gebildet, auf dem 2 gelbe Enten schwammen. „DEN MÜSSEN WIR AUSLÖFFELN!“ Ich kann immer noch nicht genau sagen wer von den beiden in dieser brachial lauten Stimme zu mir spricht. Immer wenn ich hochgucke sind die beiden nur am rauchen. Sprechen tun sie nur wenn ich nicht hinsehe. „was solls“ denke ich und mache mich daran das Wasser aus dem Tümpel zu scheffeln. Es ist schweißtreibende, schwere Arbeit die sehr langsam von statten geht. Langsam senkt sich der Wasserspiegel und es kommt ein zweites Auto aus dem Morast zum Vorschein. Es ist ein Kleinlaster, russisches Fabrikat, beladen mit Chio-chips in großen Kartons. „Oh großartig!“ denke ich, stürze in den Laderaum und schnappe mir den einzig trockenen Karton. Behänd laufe damit zum Heck unseres Hummers, um ihn den Karton im Kofferraum zu verstauen. Plötzlich dringen Stimmen aus dem Dickicht.  Eine Frau, blond, mein alter, nicht unattraktiv und ein zotteliger Kerl kommen mir freudestrahlend entgegen. „Oh Sie haben die Chips, wie wunderbar, wir dachten…“ Ich Ziehe eine Halbautomatische Handfeuerwaffe aus meiner Hose und schieße dem Zottelkerl ins Gesicht. Diese Chips sollen nur mir gehören, ich teile sie mit niemandem. Seine Freundin kreischt wie am Spieß was ich mit einem emotionslosen „Wir haben Waffen.“ beantworte. Sie schlägt sich kreischend ins Gebüsch. Ich werfe die chips in den Schnee und folge ihr.

Ich trete durch das Dickicht und stehe auf einer verschneiten Weide. der Wald ist weg, wozu ist er auch jetzt noch gut?  Auf der  Weide stehen mehrere Schaukeln, doch anstelle dem Brett auf dem man sonst sitzt, sind an den Ketten große massive Metallkugeln befestigt, die im Wind schwingen. 5 bis 6 große Raubkatzen, wohl schneelöwen, spielen mit den Kugeln, schlagen dagegen, erfreuen sich an ihrem wilden schwingen. Ich weiß das ich von meinem jetzigen Standpunkt aus all die Kugeln kontrollieren kann, allein mit meinem Willen. Ich lasse eine von der Kette und  ins Tall rollen. Dann eine Zweite. Eine Dritte. Die Löwen sind darüber nicht erfreut und wollen mich angreifen. 2 große Kugeln zerschmettern 3 von Ihnen. die anderen werden meine freunde.

Auf der Rückseite des Hügels auf dem ich nun stehe erhebt sich eine rote Woge. Ich kann nicht direkt erkennen das es sich um Höllenreiter handelt, aber es riecht danach. Ich schicke die Raubkatzen, die nun 3 flach geformte Fluggeräte sind, gegen sie. Vergebens. Sie sterben alle innerhalb von Sekunden. „also ist es an der Zeit“. Ich sattle eine der Eisenkugeln und fliege in die Reihen der roten Heerscharen. schlage um mich, schreie und wüte wie ein Berserker unter den gesichtslosen wesen die nur tot und elend bringen, die restlos ausgemerzt werden müssen wenn ich weiterleben will, wenn alles weitergehen soll… vergebens, es zerfetzt mich, ich denke noch kurz an die Chips im Schnee und wie ungerecht es ist das ich sie nun doch nicht bekomme.

dann wache ich auf.

Begegnung

Februar 6, 2012 in Blog

Er weiß nicht wie lange er schon hier ist.

Zeit wird zu einer kargen Landschaft von seichten Erhebungen, wenn keine Ereignisse das Leben durchziehen. Die Fixpunkte an denen er ausmachen könnte wie lange er nun schon durch diese Steppe wandert wurden mit der Zeit immer weniger, dünnten aus, auf dem Weg.

Der „Weg“.

Das ist ja auch so eine Sache. Es gibt gar keinen. Keine Straße, nicht mal einen Trampelpfad. Orientierung unmöglich. Innerer Kompass? Gibt es nicht. Nicht hier. An welchem Pol sollte er sich auch ausrichten? So bleibt nur die vage Vermutung das man richtig liegt, die Trotzköpfigkeit das man „nun ja nicht mehr den ganzen Weg zurück geht!“, und sich von den Stürmen tragen lassen.

Und Stürme sind hier sehr gefährlich. Das lernte er bereits.

Du kannst dich ihnen ergeben, gegen sie zetern und schreien, versuchen zu vergessen das es sie gibt und dabei an ihnen erfrieren… oder irgendwann dahinter kommen, und sie als das akzeptieren was sie sind: Unbeherrschbar und Teil deiner selbst. Du kannst lernen wie du dich vor ihren Eisscherben schützt und wie du die Winde nutzt um Strecken zu überwinden die du zu Anfang für unpassierbar gehalten hast. Doch selbst mit diesem Wissen bleiben sie lebensbedrohlich.

Das entfernte Grollen ist dumpf und mächtig.
Es ist also wieder so weit.

Er wartet.

Ausläufer des Sturms wirbeln Staub um ihn herum auf, erste Eiskörner schlagen klickend auf den Boden. „Gleich kommt der Geruch“, denkt er. Die Nebel kriechen auf dem Boden entlang, der Sturmfront vorauseilend, wie eine Rotte giftiger Schlangen, über die Steppe schlängelnd. Und steigt er zu dir auf ist es zu spät. Er nimmt dich, lähmt dich, macht dich zur Sturmbeute. So beginnt es immer.

Er schließt die Augen,
und nimmt einen tiefen Atemzug.
„Eine Umarmung, für einen alten Freund.“

 

„Entschuldigen Sie.“

Er reißt die Augen auf.
Hinter ihm hat jemand etwas gesagt.
Aber das ist unmöglich.
Hier kann niemand sein.
Zumindest dachte er das.

Aber wem gehört dann diese Stimme?
Will er das überhaupt wissen?
Was, wenn er sich nun umdreht und da steht niemand. Was wenn er verrückt geworden ist? Die Umstände würden ja passen. Langes Herumwandern, alleine, hier und da ein Selbstgespräch…  Und nun hört er also Stimmen. Großartig. Auch dazu noch eine weibliche, die dem Klingen von Glasglöckchen nicht unähnlich ist. „Immerhin besser als eine die Mordgedanken brüllt, oder eine die dich pausenlos beschimpft…“

„Ähm, ich bin hier, hinter Ihnen.“

Die Stimme kommt eindeutig von hinten, und kennen tut er sie auch nicht.
Er weiß nicht wie dieses „Stimmen einbilden“ funktioniert, aber das man sie aus einer bestimmten richtung hört, das passt nicht. Auch hätte sein Hirn sicherlich eine Gewählt die ihm irgendwie bekannt ist. Das heißt: Da steht wirklich jemand. Und trotzdem zögert er noch sich der Stimme zuzuwenden.

Hier draußen ist es rau. Er selbst überlebt es nur aus dem Umstand jahrelanger Übung. Und wegen seiner Rüstung, die mit der Zeit immer dicker und ausgefeilter wurde. Würde er nun das selbe zu sehen bekommen? Einen wie ihn? Es wäre Logisch. Wie sonst soll man hier überleben?

langsam, den Sichtschutz seines Helmes nach oben schiebend, dreht er sich um.

Vor ihm steht ein Mädchen. Barfuß. Mitten in der Einöde, auf einem Flecken grün. Ihre Schritte haben die karge Steppe zum erblühen gebracht,und selbst durch seine Rüstung spürt er die Wärme die von Ihr aus geht.

„Hallo.“ sagt der Eisenfürst.
„Hallo.“ sagt das Blumenmädchen.

Eisenfürst

Februar 2, 2012 in Blog

Dunkel verhangen, jeden Morgen
Schwärze hoch am Firmament

Kälte, Chaos, Eisengrinsen,
sind Freunde die er so gut kennt

Und strahlt die Sonne kurz und kräftig
durch Wolken grau und aufgetürmt

Sieh nicht hin,
Sie scheint nicht für dich
Für dich sind Tage, an denen es stürmt.

Eisenfürst, bleib eisern.
halte deinen Kern versteckt

Denn du weißt des Lebens warme Mitte
am ausgestreckten Arm verreckt.

Frage an den Devox: Hirnblockaden

Januar 19, 2012 in Blog

„Devox, welche Situationen überfordern dich?“

Da gibt es einige. Zum Beispiel wenn die Frau/der Herr an der Supermarktkasse etwas anderes sagt als sonst. Etwas worauf man nicht auf Anhieb das passende „Auf Wiedersehen.“ parat hat. Sowas wie „Danke für Ihren Einkauf, bis zum nächsten Mal, und ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“ – Himmelhilf. Was für ein Satz. Und das dann auch noch während man gehetzt Badreiniger und Wurst vom Laufband klaubt und in eine viel zu klein gewählte Plastiktüte stopft und mit der anderen Hand seine EC-Karte aus dem Lesegerät friemelt.  Da fällt mir gerne mal gar nichts ein. Ich bin froh wenn es noch zu einem „Ebenfalls“ vor dem „Auf Wiedersehen.“ reicht, und ich, wenn auch  verwirrt, den Markt verlassen kann.

Auf dem Parkplatz, beim einräumen ins Auto,  stelle ich mir dann meist vor, wie sich alle Bediensteten des Supermarkts im Pausenraum über den offensichtlich geistig verwirrten lustig machen, der kein Wort herausbekommt, wenn man ihn 3 Sachen gleichzeitig machen lässt. Sie haben sehr wahrscheinlich Fotos von mir dort, am Kühlschrank, groß „Sozial-Versager!“ steht da drunter. Und Sie haben einen Tanz nach mir benannt, bei dem man stumm so tut als wäre man blind und taub. Den tanzen Sie immer, bis alle vor lachen am Boden liegen. … Ich will dort nie wieder hin.

Höllenmaschine

Januar 18, 2012 in Blog, Hirnbrand

Es ist 2:00. Dienstag. In 6 Stunden klingelt der Wecker. Das weiß er und ich. Mit dem Unterschied das er damit sein Tagwerk getan hat. Ich hingegen darf mich erneut in die Hölle stürzen. Jeden Tag tue ich das, nun seit fast 9 Jahren. Jeden Morgen Höllensturz, jeden Morgen mit dem Fahrstuhl in den innersten Zirkel. Ich kenne mich inzwischen aus, ich weiß wo alles steht, wo alles liegt, wo alles schwebt. Weiß was ich zu tun habe um die Maschine in Gang zu halten, weiß in welche Zahnräder ich mich zwängen muss um ein zerbersten zu verhindern. Und ich weiß das ich hier runter ziehen könnte, wenn ich wollte. Ich könnte hier leben. Und ich habe lange Zeit mit dem Gedanken gespielt., ja ich habe sogar schon hier geschlafen. Aber ich will nicht. Ich werde nicht. Ich kann gar nicht. Die Welt oben gefällt mir viel zu gut.

Aber die Maschine will Ihren Tribut. Und den werde ich leisten.
Doch nur den.
Mich frisst sie nicht.

Rette deine Feigheit, Mann in Grün

Januar 18, 2012 in Blog

Es ist schon etwas her, aber ich schrieb ja mal was zu der „Rette deine Freiheit“ Demo, und dem dazugehörigen Prügel-Polizisten Video. Jetzt (2 Jahre danach) gibt es neues dazu:

http://annalist.noblogs.org/post/2012/01/17/routinemasig-schrieben-sie-anschliesend-eine-anzeige-gegen-das-niedergeschlagene-opfer/

Ich darf  es eigentlich gar nicht lesen. Gibt nur hohen Blutdruck.