Retro-Producing

Das leben als Mediengestalter ist schwer. Naja, zumindest ist es fordernder als ein durchschnittlicher bürojob. Nicht nur wegen der täglich aufzuwendenden Kreativität, sondern im speziellen wegen der im halbjahres-takt neu erscheinenden Programmversionen und der nicht enden wollenden fülle an neuen funktionen die allesamt erlernt werden wollen.

Wenn man aber mal auf den zug aufgesprungen ist, findet man jede neue funktion geil und fiebert neuen programmversionen entgegen um endlich dieses und jenes viel effizienter tun zu können, oder einfach weil mit neuen funktionen und dem kreativen umgang mit ihnen auch neue, geile möglichkeiten entstehen.

Nun trägt es sich aber auch zu das man in neue arbeitsverhältnisse kommt in denen dieser strom der aktualität seit jahren abgerissen ist, oder erst garnicht floss.

Unternehmen die seit Jahren mit den selben Programmen produzieren und trotzdem erfolgreich sind neigen dazu nicht weiter in neues zu investieren, weil es eben auch so läuft wie es grade ist.

Die folge: um nicht ins Hintertreffen zu geraten wird der kreative Umgang mit den alten Programmen zu einer Wissenschaft für sich. So trug es sich zu das ich von dem stand den ich zuhause gewohnt bin (CS3) in eine umgebung schlitterte die mir gänzlich fremd ist.

Adobe PageMaker 6 auf dem PC.

Ich dachte ich hätte mit Quark4 damals in meiner Ausbildung die untergrenze des vertretbaren kennengelernt. Doch weit gefehlt. Wer mir nicht glaubt soll sich bitte auf ebay für 20 euro mal den pagemaker 6 kaufen und versuchen ein 10 Seitiges Mailing zu gestalten. Einzige Beihilfe bei diesem unterfangen leistet Photoshop 6.

Es ist zum haare-raufen. Neue Schriften werden erst nach einem neustart erkannt, das programm unterstützt keine höhere bildschirmauflösung als 1280×1024, alles was darüber hinausgeht schneidet das programmfenster einfach ab.
Somit bringt auch der 24″ röhrenmonitor nichts.

Jedes seitenpaar muß aufgrund unzureichernder Layoutverwaltung als einzeldatei abgelegt werden und später in acrobat 4 zusammengefügt werden.

der distiller tut nur seinen dienst wenn man ihn sehr höflich bittet und ihn nach jedem doppelseiten-rip schließt und wieder öffnet.

und das bitterste von allem: ich muß gottverdammte tiffs mit IBM-PC-Vorschau für die Bilddaten nutzen. Diese haben die nette angewohnheit nach dem platzieren in PageMaker in NEON-farben zu erscheinen, was ein ungefähres abschätzen des gesamteindrucks völlig unmöglich macht. Hinzu kommt das PageMaker eine frisch aufgezogene BildBox mit einem Vollton-Grün füllt und eine 1pt linie darum setzt. Standartmäßig. Ich habe keinen schimmer wie ich diese standarts ändere denn die voreinstellungen des programms beschränken sich auf „LINEALEINHEIT“ und „STANDART-SPEICHERORT“.

Zu den tiffs ist noch zu sagen das diese permanent in die projektdatei eingebunden werden, was zur folge hat das man damit schnell über der 400 MB grenze landet, welche das system halbwegs flüssig verwalten kann.

Ich bin ja, grade für VERKAUFVERKAUFVERKAUF!-Mailings ein freund von transparenzen. da kann man schön mit hintergründen arbeiten die gewünscht sind und trotzdem eine lesbarkeit des textes garantieren. Doch um diese zu erschaffen muß ich: A: die seite aufbauen, mit hintergrund und text, ohne transparenz. B: die seite als PDF exportieren. C: dies seite in Photoshop einladen. D: Diese seite über den Hintergrund legen und auf dem Hintergrund eine für den text passende transparente box platzieren. Dann den Hintergrund mit aufgebrachter box speichern und neu in Pagemaker einladen, da dieses programm keine geänderten dateiversionen erkennt.

Ändert sich Irgendetwas an der seite, so ist man gezwungen den ganzen kladeradatsch erneut durchzuführen. so lange bis alles passt.

Die Typowerkzeuge sind ein Hohn und die schriften werden in der anzeige nciht geglättet, geschweigedenn realitätsnah ausgerichtet, was ein ständiges PDF-exportieren nötig macht um den gesamteindruck zu überprüfen. Kernen muß ich von hand und bei jedem buchstaben einzeln, wenn ich ein gesundes schriftbild erreichen will. (was sich auf überschriften und großen text beschränkt. würde ich den fließtext optisch ausrichten würde ich wahnsinnig werden.)

Ziehe ich ein neues Textfenster auf ist es weiß gefüllt und bleibt es auch nach der texteingabe, bis ich das programmfenster minimiere und wieder aufrufe.

Neue Farben werden ausschließlich global angelegt. das heißt: Farben werden nciht dateispezifisch gespeichert, oder in externen, ladbaren dateien, sondern ausschließlich in einer palette im programm. Spätestens nach 10, 12 unterschiedlichen Projekten habe ich also eine farbpalette die bis zum himmel reicht.

Das ist nur mal eine kleine mängelliste. Hinzu kommt der Unkomfort von PhotoShop6, aber das ist ertragbar.

naja, was solls. im endeffekt lässt sich damit produzieren… aber zeitintensiv und nervenraubend.

Und seine anforderungen an qualitätssicherung kann man getrost über bord werfen.

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