Nacht auf dem Sofa

Nein, meine Freundin hat mich nicht aus dem schlafzimmer geworfen weil ich schnarche oder im schlaf immerzu flüstere das ich sie töten werde.

Zum Einen hat Sie das nicht getan weil sie ja gar nicht existiert, und um zu erklären warum es mir nun tatsächlich unmöglich war in meinem eiegenen Bett zu schlafen muß ich etwas weiter ausholen.

Ich bin ein Mensch der frische LUft braucht. Lustig, denn ich bin Raucher. Aber gut, sitze ich nun des Abends in meinem Wohnzimmer bei einem Guten Buch (oder einfach nur bei einer Nerdigen Serie) MÜSSEN die Fenster offen sein. Die laue Brise von draußen drückt die über den Tag in meiner Dachgeschosswohnung aufgestauten, heißen, verbrauchten Luftmassen nach draußen und man hat ein bißchen das gefühl am Meer zu sein.

Naja, Nun erfordert aber jegliche tätigkeit, die der Mensch zu seinem Zeitvertreib tut, Licht. (nagut, mir fällt jetzt spontan eine ein die das nicht… ach egal…) Schalte ich aber nun eine der 3490823458 Lampen ein, die meine WOhnung bevölkern kommen die viecher.

die Viecher und ich haben eine lange gemeinsame Tradition des Kampfes und des Krieges. Jedes Jahr, pünktlich zur warmen Jahreszeit fechte ich erbitterterte Schlachten, Abend für Abend. Wespen, Hornissen, Fliegen, Bremsen, Falter, Grillen…

Sie alle haben eine tödliche Allianz zugestimmt, die das Ziel hat meinen ewigen widerstand zu brechen und mich in einen Nachtfalter zu verwandeln (okay, der letzte teil ist unbestätigt und beruht auf den kruden Erzählungen einer Kinderkasette, die ich im zarten alter von 4 oder 5 Jahren von meiner Großmutter zu Weihnachten erhielt. TROTZDEM sollte dieser Punkt beachtet werden.)

Gestern Jedoch war es nicht wie immer. Normal wären so 4,5 Wespen am Abend, vieleicht ein Marienkäfer, der unter das Genfer Artenschutzabkommen fällt und somit, mit glas und zeitschrift, aus dem Fenster befördert wird. Allen anderen widerfährt der Tod in Form einer gerollten FHM von 2003 (Mit Carmen Electra auf dem Cover, arrr she hits it!).

Doch Gestern stimmte etwas nicht. Die Laterne vor meinem Wohnzimmer (sonst ein Viechermagnet schlechthin und auch Basis für Ihre Operationen gegen mich) war frei von viechzeug und schien matt in die Nacht. Kein Wespen-chitinpanzer-geklicke an der fensterscheibe, kein hecktisches brummen der fliegen die NOrmalerweise schon energisch am Fenster warten auf das ich es öffne und Ihnene Einlas gewähre….

Ich war froh, schob alles auf den kurzen regenschauer der ein paar minuten zuvor niederging und ließ mich auf mein SOfa nieder, in der vorfreude auf einen entspannten Abend bei offenem Fenster. Ich entschied mich für Reif Larsens „Die Karte meiner Träume“, ich würde nun endlich mal dazu kommen etwas mehr als nur 10 seiten zu lesen, wie ich es gerne zwischendurch mache. Ich greife nach dem Buch als ein Ohrenbetäubendes Brummen die Luft erfüllt, 20 cm neben meinem Ohr.

In schierer Panik werfe ich das Buch das ich grade noch in den Händen hielt in die Richtung der geräusche, verfehle das vieh das sie abgibt allerdings, wenn auch nur knapp. „DIE AUSRÜSTUNG! DIE AUSRÜSTUNG!“ gellt es mir durch den schädel. „DU MUßT ES TÖTEN!“ – Das ist mir nun auch klar, denn inzwischen bin ich mit ein paar hektischen und sehr uneleganten sprüngen aus meinem Wohnzimmer geflohen und habe stellung an der Tür bezogen, weit genug entfernt von Lichtquellen aber trotzdem fähig zu beobachten. Und das was ich sehe lässt sich mir die Nackenhaare aufstellen.

Ein Nachtfalter von entsetzlicher Größe. Er ist so groß das er mit seinen Flügeln ohne große Anstrengung meinen Kopf umgreifen, und ich mein Gesicht in seinem Pelzigen Korpus vergraben könnte.

Und das geräusch seiner Flügel. Eine Mischung zwischen hektischen „fapfapfap“ und einem tonalen grundbrummen, ein Gesamtgeräusch das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt.

„DAS GIFT! HOL DAS GIFT!!“ schreit die Phobie wie ein Weib bei der entbindung, und ich will sie nicht lange schreien lassen. für den Fall das die FHM (2003, carmen electra) zu großen schmutz macht habe ich eine letzte Waffe gegen das Insektenvolk. „kriechtier tot“ aus dem GIftschrank meiner Oma. So alt das die Postleitzahl auf der Flasche noch vierstellig ist.

„DAS WIRD DIR DEN GARRRR AUSMACHEN!“ inzwischen hat die Phobie vollkommen von mir besitz ergriffen und ich nähere mich mit vorsichtigen, aber dennoch wahnsinnig anmutenden schritten dem Todesfalter, der grade dabei ist ein paar runden durch meine wohnung zu drehen, vermutlich auf der suche nach mir.

„DU BIZARRER DÄMON! FRISS NERVENGIFT!“ Schreit irgendjemand mit meiner Stimme, als ich die Dose mit der freundlichen aufschrift „STARK REIZEND“ wild durch die Luft schwinge, von einem Möbelstück zum anderen springend, immer der Todesmotte hinterher.

Leider bemerke ich in meiner berzerkerhaften Raserei nicht das ich diese Höllenbrut unbewusst in richtung meines Schlafzimmers getrieben habe. Doch zu spät, der Falter setzt seine insektenfähikeiten ein und verschwindet von einer sekunde auf die andere.

Man muß dazu sagen das ich viel mehr über insekten weiß als irgendjemand sonst. ich führe seit 5 Jahren Krieg gegen Sie und ich kenne Ihre Taktiken, kann ihre Methoden erahnen.

So war mir klar das wenn ich das geheime Versteck dieses Mörderfalters nicht finden würde alles aus wäre. Er würde warten bis ich heute nach schlafe und sich dann um meinen Kopf legen, mich mit seinem wohlig pelzigen Kopus ersticken und mir seine Mottenerreger ins BLut pflanzen.

in wenigen Wochen schmerzhafter inkubation wäre ich dann auch einer von Ihnen, würde tumb mit dem schädel gegen lampen fliegen und irgendwann würde ich dann sterben weil ich keine neuen Opfer herbeischaffen kann. Die Insektenkultur ist da sehr rigoros.

Also war das einzig mögliche ein geordneter rückzug auf sichere distanz. Aufs sofa. Es war kein erholsamer schlaf. Er war getränkt von Träumen in denen ich glücklich mit den insekten zusammenlebe, in einer sich ergänzenden konvergenz, nur um dann festzustellen das ich selbst schon längst ein Nachtfalter bin, gierig auf der suche nach dem Blut junger Menschen. Rrrrrrrr.

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