Plädoyer für die Glühbirne

„Die EU“ wird bald meine geliebten Glühbirnen verbieten. Die Ästhetik einer dekorativen Glühbirne soll ihren Ersatz also in dem toten Licht floureszierender Gase finden, nämlich der Energiesparleuchte.

Mit „Energiespar-“ verhält es sich wie mit „Light-„.
Diese vorsilben sind der inbegriff von allem was scheiße, lasch, und unlebenswert ist.

Energiesparauto, Energiesparhaus, Energiesparleben.

Widerlich.

Ich will ein Auto das Sprit verbraucht, das laut schreit wenn ich es trete und das mir das Gefühl vermittelt ein riesiges Gemächt durch die Gegend zu steuern.

Ich will und liebe geziegelte Altbauten, in denen man in verschwenderisch hohen Räumen mit Stuck an der Decke und Echtholzparkett am Boden die selbe Romantik atmet wie es schon die Erstbewohner vor 100 Jahren taten.

Ich liebe ein leben in dem ich mich für dick Butter auf dem Brot entscheiden kann, weil ich es kann. Ist denn nicht einzig der uneingeschränkte Konsum heutzutage das letzte Überbleibsel der für jeden erlebbaren Freiheit?

Wenn mich der Staat nun mit extra Steuern und Kosten bestraft weil ich gerne so lebe, so ist das für mich tragbar. Es ist schade, aber irgendwo muss sicherlich der Umwelt Rechnung getragen werden. Nun wird mir aber einfach die Möglichkeit genommen Glühbirnen zu kaufen. Sie werden einfach verboten. Aus hirnrissigen Gründen. Weil man in Brüssel offenbar meint man würde da „Lichterzeuger nach NORM E27“ standardisieren. Aber man tut so viel mehr. Man nimmt Europäischen Wohnungen ein Stück Kultur, ein Stück Geschichte und den Menschen ein Stück Freiheit. Stück für Stück bröckelt das worüber wir uns selbst als Individuen definieren können.

Was folgt als nächstes? Werden Audio-boxen standardisiert und man erhält bald nur noch eine (hässliche) Ausführung? Oder wie wäre es mit Einheitsautos? Einheitskleidung? Einheits-Nahrunsrationen? Ich denke da wartet noch viel Arbeit auf die EU-Regulationshengste.

Und jeder der mir mit dem arschficker-argument kommt „es gibt bald auch energiesparbirnen mit angenehmen licht“ DER SOLL SIE MIR ZEIGEN! Ich rede da nicht von gelber partykeller-beleuchtung, oder orangenem grell-licht das jeden wie einen bräunungscreme-junkie aussehen lässt. Pfui!

Und die Lampen an sich! Nur widerliche Formen, allesamt natürlich diffus (nicht klar) weil das gas im inneren sonst nicht schön gleichmäßig leuchtet. hmm, gleichmäßig, gewöhnlich, gradlinig, meine Lieblingswörter, die ich mir auch gerne in den Wohnraum schraube…

HAHA!

Eher werde ich zum Glühbirnen-Schieber! Sollen sie mich ins Gefängnis werfern, wenn sie mich an der Schweizer Grenze mit 2 Koffern voller Kohlefaden-Glühbirnen erwischen.

Und LEDs? sorry, aber die die halbwegs HELL sind (ich spreche hier nicht vom Spektrum, also Farbe des lichtes) sind unbezahlbar, oder man muss seine Wohnung schritt für schritt umrüsten und lebt Monate in einem halb-fertig-Zustand.

Und kauft man sich diese teuern dinger kann man auch gleich auf ein Alien-Raumschiff ziehen, ähnlich freundlich ist nämlich das emittierte Licht. Natürlich ist die Wellenlänge des lichtes bei LED’s steuerbar, aber das was der Typ der die Dinger in der Fabrik vorkonfiguriert als „behagliches Licht“ empfindet läuft bei mir unter „Großmutters gute stube zur weihnachtszeit“ und taucht die Umgebung in ein mattes Gold. Lebendig und wohnlich ist dieses Licht trotzdem nicht. Vielleicht weil das Licht einer Glühbirne (Speziell die der Kohlefaden Birnen) eine ganze Bandbreite von Frequenzen erzeugt, inklusive nicht sichtbaren infrarottönen.

Ein Ersatz ist also nicht in Sicht, trotzdem verbietet man es mal. Den Energiesparbirnen herstellenden Betrieben muß man ja auch etwas unter die Arme greifen… den Armen…

Ein sehr schöner Artikel zu diesem Thema stammt von Ulf Erdmann Ziegler für FAZ.net, dessen Anfang ich hier mal zitiere.

„Wir sollen in einem Styroporbunker sitzen, über uns eine Batterie Sonnenkollektoren, und nikotinfrei in die DSL-Röhre starren, die mutige Politikerinnen von Schmuddelkram befreit haben. Vor dem Schlafengehen, wenn wir das weiße Licht löschen, lesen wir noch einmal in der von den Iren abgelehnten EU-Verfassung, um zu wissen, wie gut für uns gesorgt wird und gesorgt werden wird. Dann träumen wir bilderlos.“

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