An leute die 30 km/h innerorts fahren…

… bitte äschert euch ein. Euer traniges Leben will ich weder sehen, noch hören, noch darunter leiden. Und ich leide wenn vor mir ein Nagelneuer Mercedes fährt, 4 mal soviel PS wie mein Wägelchen unter der Haube und im Schritttempo unterwegs.

Das sind dann die wenigen Momente in meinem leben in denen es bei mir aussetzt. Ich werde selten so wütend das ich mich vergesse, aber solch ein verhalten muß abgestraft werden. Und wenn es sonst niemand tut bleibt wohl nur selbstjustiz.

In meinem heißgeliebten Ort gibt z.Z. es eine Ampel die die verkehrsführung an einer Baustelle regeln soll. Man kennt das, erst die einen, dann die anderen, in einem ewigen wechsel.

Nun wird dieses Gerät von Bauarbeitern aufgestellt. Eine der letzten Berufsgruppen denen ich erhöhtes technikverständniss zuschreibe. Die haben vermutlich einen ganzen kleinbus voller ampeln, die dann einfach an der Baustelle aufgestellt werden. Ohne zu gucken ob die ROt phase an die strecke angepasst ist. So warte ich also 15 Minuten auf Grün. Ich bin bereits angespannt, denn ich habe die Musik zuhause vergessen und muß eine Drum n‘ Bass Kasette hören die auch gleichzeitig die einzige Kasette in meinem Auto ist, Ergo schon sehr oft konsumiert wurde.

Grade als Pendulum zu Ihrem alles vernichtenden „Girl in the Fire“ ansetzen wird es endlich Grün. Doch anstatt loszufahren gönnt sich der Mercedes vor mir erstmal eine Pause. War ja auch anstrengend das warten, NE? muß man erstmal verschnaufen von, NE? bei so einem automatik-schiff ist das kuppeln zum anfahren ja auch so fordernd, NE?

Ich war bereits angespannt, die Hupe habe ich auch bereits 2x betätigt, da setzt sich das Walross auf 4 Rädern endlich in Gang. Jedoch so gemächlich das es seinen welken körper grade noch über die Gelbphase schiebt, die AUtofahrer hinter Ihm, allen vorran ich haben dann wohl das nachsehen.

NICHT

in diesem moment erfuhr ich eine offenbarung. Mir wurde die situation so klar bewußt das ich handeln mußte wenn ich mich zu den humanoiden zählen wollte:

Ich versuche tag für tag allen menschen die ich treffe den umgang mit mir so angenehm wie möglich zu machen. ich halte menschen die türen auf und lache über ihre dümmlichen scherze, ich blinke wenn ich aus dem kreisel herausfahre, ich wische die pisse auf dem klo weg ohne mich zu beschweren, wenn einer meiner kollegen meinte er müsse seine zielkünste auf dem firmenklo unter beweis stellen, ich bin freundlich und zuvorkommend, und schreit mich irgendein wildgewordener kunde am telefon an so schlucke ich den kalten zorn hinunter und bewerfe ihn mit blumen.

Und all das tritt dieser behinderte Hurensohn im Mercedes vor mir mit füßen. Ihm ist es scheißegal wie andere Menschen sich seinetwegen fühlen, ihm ist es egal ob ich wegen seiner schleicherei zu spät zur arbeit komme. Ihm ist es egal weil er ein geschwür in der gesellschaft ist. Es ist ihm egal weil er die zecke ist die die gesellschaft aussaugt und dabei infiziert.

Ich mußte etwas tun. JETZT.

Das war dann der Moment in dem sich die Welt um mich grau verfärbte, nur das Auto vor mir (Der Mercedes) und ich standen in goldenes Licht getaucht. Alles lief in einer art wohlig warmer zeitlupe. Ich trat bei rot aufs gas und überholte den Assozialen auf halber strecke, stellte mein auto quer auf die fahrbahn, die ich so blockierte, und griff unter den sitz. In dem heißen auto war das ertasten des kühlen alu-baseballschlägers eine Erfahrung für sich, und es durchströmte mich ein Gefühl von rechtschaffender Heiligkeit als ich diesen Knüppel hervorzog und gegen die Sonne hielt, während ich ausstieg.

Es muß von außen schon recht merkwürdig ausgesehen haben, denn ich glaube ich schwebte. Meine ganze Wut und mein ganzer Groll hatten sich in eine materialisierte Form des Hasses verwandelt, der mich behutsam zu dem auto geleitete in dem ich nun endlich auch das gesicht meines gegenspielers sah.

Es ist ein gut 70 Jähriger Mann der sich bereits durch das heruntergelassene Fenster darüber erbost das ich die Straße blockiere. Sein Kopf ist puterrot und er spuckt während er mir vorrechnet wieviele Anzeigen und Prozesse er schon gewonnen hat und das ich „bald wüßte mit we´m ich mir hier anlege wenn erstmal die polizei…–„.

„Hier richte nur ich“

sind meine einzigen worte an Ihn, als ich den Baseballschläger mit der stumpfen spitze zuerst, durch das heruntergelassene Fenster, in seinen Schädel treibe.

Zum schreien kommt er nicht, denn bereits der nächste Schlag zertrümmert seine Windschutzscheibe und ich wechsel in eine angenehme schlagposition auf seiner Motorhaube. Die Umwelt versinkt in einem roten Schleier und ich höre bei 50 auf die Schläge zu zählen die ich mit unmenschlicher Wucht auf den Bastard niedergehen lasse. Von Urschreien begleitet führe ich mein Brechwerk fort, so lange bis mich die Polizei von der Motorhaube schießt und ich als Märtyrer der geplagten Autofahrer in die Geschichte eingehe. Für meinen aufopfernden Akt später (100 Jahre später, nach der entstehung der Auto-Kirchen) sogar heilig gesprochen werde. Schulen und Industriekantinen werden nach mir benannt. Sogar mancher Ersatzreifen.

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