Kinder sind Grausam

Ich bin grade das Blogarchiv durchgegangen und habe mit erschrecken festgestellt (okay, kein erschrecken, ich erschrecke selten, und dann meistens auch nur wenn ich etwas dummes getan habe und plötzlich mit den Konsequenzen konfrontiert werde… hach jeh, jetzt haben wir uns wieder in einem erklärenden Seitensatz verrannt, dabei wollte ich doch nur… egal, weiter, noch mal alles auf Anfang…)

Also: Ich habe DIE „Kinder können so grausam sein“ Geschichte schlechthin noch nicht niedergeschrieben. Jetzt kann man natürlich sagen: „Hach Gott, der Herr Devox, der hasst doch Kinder von natur aus, was will er uns denn noch erzählen?“

Zuallererst muss ich sagen das ich Kinder nicht hasse. Ich finde sie manchmal sogar ganz erquicklich, schließlich sagen Sie die Wahrheit, auch wenn es wehtut. Aber ertragen kann ich sie trotzdem nur unter Zwang und auch dann nur kurz.

Doch die Geschichte die ich erzählen möchte ist davon ausgenommen. Warum? Weil ich zu dem Zeitpunkt an dem sie sich ereignete selbst noch ein Kind war.

Es muss ein Sommer 1991/92 gewesen sein. Ich hatte damals einen guten Freund dessen Eltern ein herrschaftliches Anwesen bewohnten. Das Haus war eine Gründerzeitvilla, wunderschön und der umliegende Garten so groß das man sich verstecken konnte ohne jemals gefunden zu werden, wenn man sich anstrengte. Ich weiß noch das ein Gärtner eingestellt war, der die Anlage wohl „pflegte“, doch mehr als Wildblumen-gießen habe ich ihn nie tun sehen.

Das ganze Grundstück war eine Art verwilderte Parkanlage, ehemals nach strengen Regeln angelegt, wie man an den teilweise noch gut erkennbaren Heckenlinien sehen konnte, doch inzwischen hatte sich die Natur das zurückerobert was ihr wohl zustand.

In diesem kleinen Privat-Uhrwald ereigneten sich Guerilla-Kriege ebenso wie handfeste Auseinandersetzungen der Musketier mit den Schergen des Kardinals Richelieu. Hier wurden Mondraketen gebaut und tiefe Erdlöcher gegraben, in denen wir auf den Feind warteten.

Natürlich waren wir nicht nur zu zweit. es waren immer so fünf, sechs Leute zugegen. Jedoch allesamt älter als ich. Das war der Nachteil. Ich war immer der jüngste, und waren keine Mädels mit dabei, so war mein Stand in dieser Gruppe ein schwerer.

So musste ich, um meine Position zu festigen, oft als erster irgendwelche waghalsigen Erfindungen meiner Mitstreiter austesten. Die meisten dieser Vehikel bestanden allerdings nur aus ein paar Brettern, notdürftig zusammen-gezimmert, (inklusive riesiger rostiger nägel die heimtückisch aus dem morschen Holz lugten) zum drauf sitzen, einem Strick zum festhalten, und einem gut bewässerten Schlamm-Hang, den man sich professionell hinunter stürzte.

War der Herr D. „gut“ unten angekommen, konnten auch die anderen den Höllenhang hinunterdonnern. Wobei sich „gut“ auf „keine Knochenbrüche“ und „am leben“ beschränkte.

Ähnlich verhielt es sich auch an diesem Nachmittag. Wir waren schon seit einigen Tagen mit der Konstruktion eines Baumhauses beschäftigt, als mich ein Anruf erreichte, ich sollte SOFORT in den Garten kommen, der Flaschenzug sei fertig und das Baumhaus befände sich vor der Fertigstellung.

freudig zog ich los, unwissend was mich in den nächsten Stunden erwarten sollte…

*Fortsetzung Folgt… Hier:*

Ich trabte also los, die Straße hinunter, links, rechts, und schon stand ich an der verabredeten Stelle und… es war niemand zu sehen… Auch lautes rufen der Namen meiner Mitstreiter hatte keine Antwort zur Folge. Ich stapfte zum Baum der das Baumhaus trug und sah mich dort um. Der Flaschenzug baumelte von den oberen Ästen hinunter, aber auch hier, stille. Keiner zu sehen. Langsam wurde es mir unheimlich.

Zurecht.
Als ich grade umkehren wollte sprang eine wilde horde laut johlender halbwüchsiger aus dem Gebüsch hinter mir und packt mich an Armen und Beinen, um mich zum Flaschenzug zu befördern. Unterwegs entledigte man sich noch meiner Schuhe und zerrte mich über den Waldboden, bis die Irren ihr Ziel erreicht hatten.

Dort wurde mir flink der Strick um die Beine gebunden und ehe ich mich versah wurde ich in luftige höhen befördert, mit den Füßen voran. Ich schrie und wimmerte, doch von unten vernahm ich nur wie sich meine Henker gegenseitig auf die Schultern klopften und, in köstlich amüsierter Stimmung bemerkten: „Siehste, ich hab doch gesagt dass das geht!“.

Da war mir klar: ich war in eines dieser perfiden Menschen-Experimente geraten, die meine Freunde zu der Zeit sehr gerne ausprobierten, bevor sie sich selbst mal nach oben befördern lies. Dann natürlich sanfter und mit einem geeigneten Geschirr.

Doch das Ende meiner Marter war noch fern. Denn als ich ein paar Minuten gut 2 Meter über dem Boden schwebte entschied man das es, auch um die Langzeithaltbarkeit des Flaschenzugs zu Testen, besser wäre nun rein zu gehen und Kuchen zu essen. Mich lies man hängen, für später… eine halbe Stunde lang.

Zwischen dem Schleier von Tränen und Verzweiflung kann ich mich Hauptsächlich noch daran erinnern das ich so erfuhr wie es ist kopfüber Nasenbluten zu bekommen, dass das Hirn, wenn es mehr Blut bekommt nicht wirklich besser Arbeitet, und das Kuchen nach so einer Aktion nicht alle seelischen Wunden heilt.

Am selben nachmittag half ich den noch jüngeren Nachbarsjungen auf die selbe Weise hinauf zu befördern. Er schrie lauter als ich.

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