Ich weiß nie…

…wann sie kommt.
Sie ruft weder vorher an, noch gibt sie mir sonst irgendwelche Chancen der Vorbereitung auf ihren Besuch. Sie steht irgendwann vor meiner Tür, Sekunden später in meiner Wohnung, wirft ihre Sachen von sich und beherrscht mich von dieser Sekunde an. Bin ich normaler weise für ein ausgewogenes Kräfteverhältniss, und in speziellen Situationen lieber dominant, verfalle ich bei ihr in eine devote, untergeordnete Rolle. Sie macht das mit mir. Ich kann mich dem nicht entziehen.

Und sie frisst. Hergott, was sie alles frisst. Unmengen. Um genau zu sein exakt das doppelte von dem was ich zu mir nehme. Und sie nimmt es sich von meinem Teller.

Und dann, irgendwann, wenn man meint das man sich an sie und ihre furchtbaren Eigenschaften gewöhnt hätte, und vielleicht ein ganz passables leben mit diesem Scheusal führen könnte, kommen ihre Freunde.

Sie kommen vereinzelt oder im Verbund. Ganz nach belieben. Grade so wie man es nicht gebrauchen kann. Einige von Ihnen kenne ich inzwischen sehr gut.

Da ist diese widerliche kleine Göre die einem jegliche Unternehmung verdirbt. Sie macht vor nichts halt. Ein Abend mit Freunden auf den man sich schon die ganze Woche über freut? Pustekuchen. Ein Konzert? Monate geplant? Nada. Ist sie im Haus dreht sich alles um sie. Sie ist die alles beherrschende Stimme.

Der Herr, dem die Zähne fehlen, der ausgemergelte Glatzkopf. Ist er mit von der Partie, vergiss Schlaf. Mit seiner widerlichen Fratze reißt er dich aus dem Schlaf, schlägt dir links und rechts ins Gesicht, ohne das du etwas getan hast, schmeißt dich in den Kalten Angstschweiß deines Bettes zurück, und verschwindet in der Dunkelheit, nur um bald wieder ohne jede Vorwarnung über dich her zu fallen.

Ab und zu, wenn sie vor hat längere Zeit zu bleiben, kommt der Wattemann. Der Wattemann ist die meiste zeit ohne Konsistenz. Man bemerkt seine Anwesenheit erst wenn er sich manifestiert, und dann ist es bereits zu spät auf seine Abreise zu bestehen. Er würde ohnehin nicht zuhören, er ist viel zu sehr damit beschäftigt mich in Watte einzupacken. Zuerst immer der Kopf. Ist dieser von einer ca. 30 cm dicken Schicht umhült, die einen merkwürdigen, sanften Druck auf meinen Schädel ausübt und mein Bewusstsein von er Außenwelt isoliert, folgt der Rest meines Körpers, bis ich mich nur noch unter größter Anstrengung bewegen kann.

Das Gute ist; irgendwann reisen sie alle ab, das taten sie bisher immer. Irgendwann wird es Ihnen langweilig, und sie lassen mich für eine Zeit in ruhe. Aber der nächste Besuch steht immer an, wann, das weiß ich allerdings nie. Doch man lernt mit allem zu leben. Auch damit.

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