A night of shame

Neulich, so um Weihnachten war ich aus. Das ist ja erstmal nichts besonderes, man geht ja gerne unter Leute. Doch dieser Abend sollte mir in Erinnerung bleiben. In schmählicher.
Ich traf mich mit 2 lieben Freundinnen, Frau L. und Frau A. zum traditionellen Weihnachts-Treffen, und nach dem wir in einem netten Lokal  gut gespeist hatten, fragte Frau L. ob es uns etwas aus machen würde wenn wir weitere Freunde von ihr in der Altstadt aufsuchen würden. Ich werde den Namen der „Location“ nicht nennen, doch lassen sie sich eines sagen:

Der Laden ist ein grauenvoller Ort.

Klein, ein einziger Schlauch, der um eine in der Mitte angeordnete Theke verläuft. hinten geht es in einen kleinen Raum für die Raucher. Nicht schäbig oder so, nein, ich muss sagen das ich abgefuckte Orte zum feiern sehr schätze, das würde ihn mir nicht unsympathisch machen. Dieser Ort jedoch ist einfach angefüllt mit exakt dem schlag Mensch mit dem ich NIE etwas zu tun haben möchte. Dumme Menschen. Kreischende Mädelsgruppen, aufgetakelt bis zum Anschlag, sicher einzeln alle gaaanz lieb, aber im Verbund, Ohmeingott. Dazu die obligatorischen Muskel-Kerle in Tanktops und engen Hosen die jedem „AUF DER PIRSCH“ förmlich ins Gesicht schreien. Aus den Boxen bollert viel zu laut „Black-Music“ ,  und die Drinks sind billig. Wobei letzteres ja nicht schlecht ist, aber dazu führt das dieser Laden chronisch überfüllt ist. Überall Menschen. Überall komische Menschen.

Kommt man in dieses Etablissement wird man eingekeilt und durch winden und drehen kann man sich seinen Weg durch  die Leibermasse bahnen.
Ich hatte meine Begleiterinnen direkt verloren. Irgendwo weiter vorne meinte ich einen Haarschopf zu erkennen, also weiter, möglichst elegant durch die Masse bahnen, hinein in den Schwall stranger Gesichter. Hier zahlen sich unzählige Diskotheken- und Konzertbesuche endlich aus: Wenn man erstmal den „Limbo des Freundlichen Umgangs“ raus hat, d.h. sich so dreht und geht das man möglichst NICHT den Penis an irgendeinem Hinterteil reibt (sei es weiblich oder männlich), mit seinem hintern NICHT irgendwelche drink-haltenden Hände und Oberflächen berührt, und Unterhaltungen zwischen Menschen möglichst nicht durch „hindurchzwängen“ unterbricht. Das heißt natürlich nur wenn die Penner sich dafür nicht mitten in den Gang stellen.

Ich rudere also so durch die Menge und gelange an eine Empore die in den kleinen Hinterraum führt. Ich ergreife das Geländer das neben den Stufen empor führt und halte nach Frau L. und ihren Freundinnen ausschau. Während ich mich auf das abscannen von Gesichtern in dem schlecht beleuchteten Räumchen konzentriere, gleitet meine Hand mit abgespreizten Zeige und Mittelfingern das Geländer hinauf. Die Musik war hier nicht laut, sondern Ohrenbetäubend. Ein übersteuerter Wummerbeat über den irgendjemand etwas von „PARTYINGGG!“ gröhlt. Ich gehe noch eine Stufe höher, wobei meine 2 Finger, die auf dem Geländer aufliegen, einen Vorhang streifen, der lose über selbigem hängt. Das Material fühlt sich komisch an. „Das ganze Geländer fühlt sich merkwürdig an“,  sagt etwas in meinem Hinterkopf. Ich drehe langsam meinen Kopf zur Seite um einen Blick darauf zu werfen.

Und erstarre.

Das „Geländer“ ist das Bein einer Frau. Sie hat dieses über das Andere geschlagen, seitlich dem Treppenverlauf, von Ihrem Stuhl hängend. Mir wurde in dieser Sekunde schlagartig bewusst was ich da gerade gemacht hatte und wie es gewirkt haben muss:

  • Ich gehe auf sie zu, strecke meine Hand aus.
  • Ich kneife Ihr ins Knie.
  • Ich spreize 2 Finger meiner Hand ab und fahre damit  an der INNENSEITE Ihres Oberschenkels nach oben!
  • Während ich die nächste Stufe nehme, schiebe Ich Ihren Rock ein Stück hoch (DER VORHANG! DER VORHANG!!!)
  • Ich erstarre. halte kurz inne und schaue zu Ihr rüber.
  • Da sind wir nun.

In meinem Kopf rast es.
NIMM ERST DIE HAND DA WEG! ALS ALLERALLERERSTES!

Mir fällt nichts ein, kein Spruch, keine clevere Ausflucht, gar nichts, in meinem Kopf schreit es nur wild durcheinander
ZU HÜLF! ERROR! FLUCHT! FLUCHT!

Ich schau Ihr ins Gesicht. Ihr Blick trägt eine Mischung von alkoholisiertem Interesse und Fassungslosigkeit aufgrund einer so bodenlosen Frechheit.  Es bringt nichts.
SAG IRGENDWAS UND DANN WEG DU SCHWACHKOPF!

Ich bekomme nur ein „OHMEINGOTT! DAS WAR NICHT… ICH MEINE… VERZEIHUNG!“ heraus, drehe mich auf dem Absatz um und versuche relativ standhaft diesen Laden zu verlassen.
Mein Schädel glüht.
Endlich draußen.
Klirrend kalte Luft.
Ich komme runter.

Ein Taxi bitte. In die Schämecke.

Comments

  1. Ich musste lachen. Hart.
    „Lass mich dein Geländer sein, Baby!“

    <3

  2. Wow…
    Gut geschrieben. Wahre begebenheit? ;P

  3. Danke. :) Von vorne bis hinten genau so erlebt, mit ein wenig Zuckerguss. So wie das meiste hier. :)

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