Begegnung

Er weiß nicht wie lange er schon hier ist.

Zeit wird zu einer kargen Landschaft von seichten Erhebungen, wenn keine Ereignisse das Leben durchziehen. Die Fixpunkte an denen er ausmachen könnte wie lange er nun schon durch diese Steppe wandert wurden mit der Zeit immer weniger, dünnten aus, auf dem Weg.

Der „Weg“.

Das ist ja auch so eine Sache. Es gibt gar keinen. Keine Straße, nicht mal einen Trampelpfad. Orientierung unmöglich. Innerer Kompass? Gibt es nicht. Nicht hier. An welchem Pol sollte er sich auch ausrichten? So bleibt nur die vage Vermutung das man richtig liegt, die Trotzköpfigkeit das man „nun ja nicht mehr den ganzen Weg zurück geht!“, und sich von den Stürmen tragen lassen.

Und Stürme sind hier sehr gefährlich. Das lernte er bereits.

Du kannst dich ihnen ergeben, gegen sie zetern und schreien, versuchen zu vergessen das es sie gibt und dabei an ihnen erfrieren… oder irgendwann dahinter kommen, und sie als das akzeptieren was sie sind: Unbeherrschbar und Teil deiner selbst. Du kannst lernen wie du dich vor ihren Eisscherben schützt und wie du die Winde nutzt um Strecken zu überwinden die du zu Anfang für unpassierbar gehalten hast. Doch selbst mit diesem Wissen bleiben sie lebensbedrohlich.

Das entfernte Grollen ist dumpf und mächtig.
Es ist also wieder so weit.

Er wartet.

Ausläufer des Sturms wirbeln Staub um ihn herum auf, erste Eiskörner schlagen klickend auf den Boden. „Gleich kommt der Geruch“, denkt er. Die Nebel kriechen auf dem Boden entlang, der Sturmfront vorauseilend, wie eine Rotte giftiger Schlangen, über die Steppe schlängelnd. Und steigt er zu dir auf ist es zu spät. Er nimmt dich, lähmt dich, macht dich zur Sturmbeute. So beginnt es immer.

Er schließt die Augen,
und nimmt einen tiefen Atemzug.
„Eine Umarmung, für einen alten Freund.“

 

„Entschuldigen Sie.“

Er reißt die Augen auf.
Hinter ihm hat jemand etwas gesagt.
Aber das ist unmöglich.
Hier kann niemand sein.
Zumindest dachte er das.

Aber wem gehört dann diese Stimme?
Will er das überhaupt wissen?
Was, wenn er sich nun umdreht und da steht niemand. Was wenn er verrückt geworden ist? Die Umstände würden ja passen. Langes Herumwandern, alleine, hier und da ein Selbstgespräch…  Und nun hört er also Stimmen. Großartig. Auch dazu noch eine weibliche, die dem Klingen von Glasglöckchen nicht unähnlich ist. „Immerhin besser als eine die Mordgedanken brüllt, oder eine die dich pausenlos beschimpft…“

„Ähm, ich bin hier, hinter Ihnen.“

Die Stimme kommt eindeutig von hinten, und kennen tut er sie auch nicht.
Er weiß nicht wie dieses „Stimmen einbilden“ funktioniert, aber das man sie aus einer bestimmten richtung hört, das passt nicht. Auch hätte sein Hirn sicherlich eine Gewählt die ihm irgendwie bekannt ist. Das heißt: Da steht wirklich jemand. Und trotzdem zögert er noch sich der Stimme zuzuwenden.

Hier draußen ist es rau. Er selbst überlebt es nur aus dem Umstand jahrelanger Übung. Und wegen seiner Rüstung, die mit der Zeit immer dicker und ausgefeilter wurde. Würde er nun das selbe zu sehen bekommen? Einen wie ihn? Es wäre Logisch. Wie sonst soll man hier überleben?

langsam, den Sichtschutz seines Helmes nach oben schiebend, dreht er sich um.

Vor ihm steht ein Mädchen. Barfuß. Mitten in der Einöde, auf einem Flecken grün. Ihre Schritte haben die karge Steppe zum erblühen gebracht,und selbst durch seine Rüstung spürt er die Wärme die von Ihr aus geht.

„Hallo.“ sagt der Eisenfürst.
„Hallo.“ sagt das Blumenmädchen.

Comments

  1. So schön. Wie geht es weiter mit den beiden?

  2. Danke. Und um die Frage zu beantworten: Nur traurig.
    Deshalb endet es hier. Da kann sich jeder ein schönes Ende denken.

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