Twitter: Signing out. Signing out forever.

Ich habe meinen Twitter-Account gelöscht. Wen dieser Umstand und das „Warum“ interessiert, der sollte nun weiterlesen, wen nicht, der kann diesen Artikel überspringen.

Mich fragte Herr @Sonderbayer via Formspring:

Lieber Devox, Sie waren mein erster Follower und ich hoffe die Frage ist gestattet. Warum kehren Sie Twitter den Rücken? Okay, er ist staubig, aber es muss ja noch andere Gründe geben. Ich mag/mochte Ihre Tweets. Grüße aus Sonderbayern.

Gerne doch Herr Sonderbayer, Sie sind mir auch einer der liebsten gewesen.
Leider gibt es zu wenige von Ihrem Schlag.

Ich twittere jetzt seit 3 Jahren. Ich habe das immer sehr gerne getan, nicht wegen dem eigentlichen Twitter-Sinn, der schnellen Information, sondern wegen der unglaublich geistreichen Sprüchlein, den Gedanken die da Andere haben, die mich zum lachen und Nachdenken bringen, und bei denen ich mich irgendwie ein klein wenig in guter Gesellschaft fühlte. Ich hatte wirklich den Eindruck da gleichgesinnte zu lesen, für gleichgesinnte zu schreiben, und von gleichgesinnten ein klein wenig Anerkennung in Form von Favs für ein paar Geistesblitze zu erhalten, bevor diese für immer im Orkus des Vergessens verschwinden.

Das ist Twitter für mich. Ein Überlaufbecken, in das ich all meine Gedanken fließen lasse die woanders keinen Platz mehr haben. Und es war toll die nicht nur in ein Büchlein zu kritzeln, sondern da Menschen zu haben die mit dem was sie denken irgendwie „aus der selben Ecke“ kommen wie man selbst. Menschen die sich auszudrücken wissen, die evtl. auch ein bisschen schreiben, sich für Bücher interessieren, einfach nicht doof sind… Bestärkt wurde das ganze durch ein Treffen mit einer Twitterdame, mit der ich mich auf Anhieb blendend verstand. Da lag die Vermutung nahe das es da noch mehr tolle Menschen gibt.

Nun hat mir vor ein paar Wochen ein größeres Twittertreffen gezeigt das ich vollkommen falsch lag. Ich und die Twitter-Masse kommen nicht aus der selben Ecke, nicht mal vom selben Planten. Ich habe mit dem Großteil dieser Menschen die dort schreiben nichts gemein. Gar nichts. Ich will eigentlich nicht fies werden, ich konnte es bisher vermeiden wenn ich darüber sprach. Doch ich muss es wohl anklingen lassen: Ich war entsetzt von dem tumben Volk das da herumeumelte. Evtl. habe ich nur mit den falschen Menschen gesprochen/zugehört/gesehen, und so 6 bis 7 liebe Menschen habe ich dort ja auch getroffen. Doch der Großteil steckt noch mitten in seiner Pubertät. Mit 30+. Das ist sehr, sehr traurig. Für viele ist dieses Netzwerk und was dort geschieht elementarer Teil Ihres Lebens. Es ist real für sie. Die Streitereien und Querelen, und der Inzest der da für postpubertäre Beziehungsdramen sorgt. Für mich ein einziges Rätsel.

Und eigentlich kenne ich diesen Schlag Mensch doch so unglaublich gut. Ich bin jetzt seit ca. 15 Jahren im Netz unterwegs, war in allen möglichen Communitys, und ich glaube so mit 15, 16 war die ganze Sache für mich auch „echt“. Doch ich habe frühzeitig gelernt wie die Wirklichkeit aussieht, und die ist fett, hässlich und psychisch gestört. Warum ich das nicht auch bei Twitter von Anfang an vermutete weiß ich nicht mehr so genau. Ich dachte halt die ganzen guten Tweets wären nicht nur Glückstreffer und geschicktes klauen, und wo was so geistreiches sprießt gäbe es nur wenig Dummheit.

Doch mir wurde im laufe des Abends immer mehr bewusst das ich die letzten 3 Jahre nicht Gleichgesinnte sondern einen Haufen Versager bespaßt hatte. Das war eine recht bittere Erkenntnis, weil ich mich eigentlich für einen recht guten Menschenkenner halte.

Doch für die 20 Follower die ich anders Einschätze lohnt es sich einfach nicht weiter zu schreiben. So bleibe ich bei meinem Blog, und hin und wieder hier bei Formspring.

Tja, so ist das.

Comments

  1. Tja devox, Confuzius sagt:
    „Lass dich auf kein Treffen mit Leuten aus dem Internet ein. Dies hilft den Illusionen zu überleben. Wer Träume realisiert, der tötet sie.“
    ;-)

  2. Mir ging das aehnlich mit einem Forum, in dem ich teils jahrelang mit diversen Members ab und an gar hitzige Diskussionen hatte.
    Bei JEDEM persoenlichen Kennenlernen im Reallive war ich masslos enttaeuscht.
    In der Regel handelte es sich um Deppen und Vollpfosten, fuer die das Forenleben eine massgebliche Rolle ihres armseligen Daseins ausmachte.

  3. @Jonny: Danke, der Herr. Auch für die jahrelange Gefolgschaft. :)
    @Artesia: Tja, da hätte ich mal lieber auf den alten Lehrmeister gehört. Aber es gibt eben auch Ausnahmen, und ich glaube die sind es die einen an Gutes glauben lassen. Dummerweise. ;)
    @David: Ich befürchte es ist überall im Internet so. Und das macht diesen einen meiner Lieblingsspielplätze ziemlich scary. :(

  4. Les den Beitrag erst jetzt, weil immer, wenn ich auf deinen Blog wollte war er tot. Seltsame Sache. Ich bin wohl der Blog-Sensenmann.

    Auf jeden Fall: Ich geb dir recht. Ich war selbst auf einem twitter-Treffen im letzten Jahr und war eigentlich etwas irritiert, dass die meisten Menschen dort genausogut auch meine Eltern hätten sein können und sich verhielten, als wären sie 10 Jahre jünger als ich. Genauso auch, dass man meinte man müsse Sprüche, die lustig in die Runde geworfen wurden, gleich twittern. Vom Mund ins Smartphone quasi…

    Traurige Sache, aber wem macht man da was vor…

    In diesem Sinne, fühlen Sie sich gegrüßt, Mister Socks

  5. Endlich mal wieder in deinen Blog reingeschaut weil ich grade auf Twitter feststellen musste das du deine Acc gelöscht hast.
    Deine Begründung ist absolut nachvollziehbar, ich würde mich zwar nicht zum elitären Kreis der lyrisch Begabten zählen aber merke es trotzdem auch selbst.

    Aber solange dein Blog weiter existiert gibts ja noch Hoffnung für die Erlösung der Menschheit .

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