Von Feinden und Gewässern (wT)

Part eins: Alles unter Kontrolle

2000 Meter über dem Atoll stellte Henry die verhängnisvolle Frage: „Na, Jeff, was glaubst du? Wieviel Liter von dem Zeug müssten wir deiner Mutter einflößen, das sie willig wird?“ Die alte Tupolew, in deren Pilotensitz mich mein Leben gehustet hatte, war bis unters Heck mit Nitralalkohol beladen. Jene, schon in winzigen Mengen Rauscherzeugende Flüssigkeit die sich die Jungs in den EnCorp Laboratorien zusammengebraut hatten, und zu horrenden Preisen vertickten. Das Zeug hatte keinerlei Nebenwirkungen, verursachte nur einen gigantischen Rausch, der in seiner Herrlichkeit leider den klitzekleinen Haken hatte, das man ihn immer wieder erleben wollte. Wir saßen also auf mehreren Gallonen Seelengift, eingepfercht in eine marode Maschine, die Ihre besten Tage weit hinter sich hatte. Neben mir, auf dem Sitz des Co-Piloten, Henry. Zumindest hatte er sich uns so vorgestellt. Eine Witzfigur vor dem Herrn. Sein unheimlich kleiner Kopf saß wie aufgepflanzt auf einem viel zu langen, dünnen Hals, der in einen merkwürdig gedrungenen Körper endete. Seine roten Haare waren zu einem schmierigen Pferdeschwanz zusammengebunden, und die Art wie er das Steuer in seinen hageren Händen hielt, und durch seine runde Nickelbrille in den Himmel kniff, lies mich das schlimmste Ahnen. „Sie sind so ein Flugzeug doch schon einmal geflogen?“ hatte ich ihn beim ersten Treffen noch gefragt. „Haha, ein ganz ähnliches, keine sorge, Bruder.“ hatte er gefeixt. Ich wusste nun das ich mit meiner Vermutung damals richtig lag, dieser Mann hatte noch nie ein Flugzeug von innen gesehen.

„WAS HAST DU ÜBER MEINE MUTTER GESAGT?“ Die hinter uns aufbrausende Stimme, die sich eher wie das Brechen einer 20 Meter Welle an einer Steilklippe anhörte, gehörte zu Jeff. Jeff war offiziell „der Mann fürs grobe“. Doch im Grunde war klar: die Gruppe hatte ihn angeheuert um ein wenig auf uns aufzupassen. Ich erkenne Wachhunde inzwischen blind. Jeff war ein besonders übles Exemplar. Eins ohne Maulkorb. Eins von den Dingern bei denen man sich fragt „wie kann man nur so ein hässliches, böses Vieh als Haustier halten?“ Die Gruppe konnte. Er war ihr bester Mann, das hatte mir Robin noch vor Abflug gesteckt.

All dieses Vorzeichen, das mit diesem Kerl evtl. schlecht Kirschen essen ist, hatten Henry jedoch keinen Deut interessiert. Kaum waren wir in der Luft, machte er es sich zur Aufgabe unseren dunklen Schatten bis aufs Blut zu reizen. Doch die vielen, „sehr unfreundlichen“ Kommentare zu Jeffs kosakischer Herkunft, die Anspielungen auf seine nicht vorhandene Schulbildung… all das glitt an ihm ab. Henry schien schon die Lust verloren zu haben, ich hatte mich bereits mit dem Gedanken an eine ruhigen Flug angefreundet, da kam ihm in den Sinn, Jeffs Mutter könnte evtl. ein lohnendes ziel seines Hohns sein. Treffer Henry, ganz großartig.

Ein Blick über die Schulter gewahrt mir ein vor Hass verzerrtes Gesicht, das sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit aus dem Laderaum ins Cockpit bewegt. Das Gesicht schiebt zwei wütend ausgestreckte Hände vor sich her, geradewegs auf einen, immer noch vor sich hin glucksenden Henry zu. Die Zeit verlangsamt sich. Ich versuche dem drohenden Fiasko etwas entgegenzusetzen. Schreie. „Nicht! Nein! Kein Kampf im Cockpit das ist zu gefäh“ Da haben sich Jeffs Hände bereits von hinten um den Hals von Henry gelegt. Er zieht ihn einfach aus dem Sitz nach oben, mein „Co-Pilot“ hängt strampelnd und ächzend in der Luft. Währenddessen brüllt Jeff ohrenbetäubend etwas von „Rache!“ und „Ehre!“, doch er hat sich offensichtlich in Henry Gewicht verschätzt. Zu dieser Annahme komme ich, als mir, in einem wilden, um sich treten- und schlagenden Wust, zwei schwere Körper von hinten in den Rücken fallen. Ich spüre etwas dumpfes, wuchtiges, gegen meine Schläfe prallen. „Stiefel mit Stahlkappe.“ Denke ich mir noch, und ein gräulich weißer Schleier legt sich um mich. Jetzt nur nicht ohnmächtig werden! Ich spüre wie ein Ruck durch die Maschine geht. Mein Magen gibt mir ein erstes Alarmsignal. Dumpf dringt das Geschrei der beiden Streithähne durch die nahende Ohnmacht an mich heran. Ein unglaublich mühsamer Blick nach vorn zeigt mir eine blaue Wasserfläche, und Inseln die auf eine komische Weise immer größer werden. WIR STÜRZEN AB! Ich versuche krampfhaft bei Bewusstsein zu bleiben, doch der Sog, das verlangen nach „sich einfach fallen lassen“ wird immer größer. Ich bin im Cockpit! Ich muss handeln! Wir werden alle verdammt noch mal drauf gehen wenn ich die Kontrolle verliere.. die Kontrolle verliere… verlie.. .verlier. ver. .. v.

Comments

  1. „weiter weiter, verdammte axt – ich will weiter lesen!!!”
    schrie der dicke mann mit dem schweinchenfarbenen gesicht und biss schwitzend in seine zigarre …

  2. … oder bist du etwa nicht mehr single ;)

  3. Haha, nene, nur das Leben, dicker Zigarrenhorst.
    :D Geht bald weiter hier. Versprochen. :)

  4. Tag Devox. Wann kommt denn wieder mal was neues?

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