Ἅιδης

Grün, so weit das Auge reicht. Ich laufe auf einer Rasenfläche die so unvorstellbar groß ist dass sie im Horizont versinkt, zu allen Seiten. Nichts als kurz gestutzter Rasen. Die Fläche ist Hügelig, jedoch ist die Form dieser Hügel eher wie man sie von Dünen kennt, mit einem spitzen Grat an oberster Stelle, und zu zwei seiten abfallenden Flächen. Als ich wieder eine dieser Rasen-bewachsenen Dünen erklimme sehe ich dass der Boden dahinter zwar auch hauptsächlich Grün ist, jedoch durchzogen von kleinen, weißen Flecken. Ich steige hinab und erkenne dass es sich um Pilze handelt, weiße Knollenblätterpilz um genau zu sein. Hochgiftig, und vom weißen Champignon nur schwer zu unterscheiden. Der Boden auf dem die Pilze Wachsen fühlt sich beim darüber gehen merkwürdig an. War mein Schritt zuvor federnd und leicht, muss ich hier einiges an Kraft aufbringen um mich überhaupt vorwärts bewegen zu können.

Der Boden saugt sich an meinen Füßen fest, gegen jeden Schritt den ich tue protestiert er mit lautem Schmatzen. Auch wenn ich immer noch auf Rasen laufe, die saugende Wirkung wird immer stärker. „Ich muss raus aus diesem Morast…“ denke ich mir und schleppe mich vorwärts, auf eine art „Ecke“, bei der zwei Dünen im rechten Winkel aufeinander treffen. Endlich geht es sich etwas leichter. Ich besteige das Dünen Eck, und wäre um ein Haar den dahinter liegenden, gähnenden Abrund hinab gefallen, an dessen gut 100 Meter tiefem Boden das Meer tobt. Nachdem ich den ersten schrecken verwunden hatte, kehrte ein Gefühl tiefer Erholung ein.

Auch wenn die gigantischen, heranrollenden Wellen über die Düne zu meinen Füßen schwappen, und somit gut 100 Meter hoch sind, amüsiert mich das Schauspiel, und ich bedauere meine Kamera nicht mitgebracht zu haben. weiße gischt formt sich zu hoch auftürmenden weißen gestalten, die sogleich wieder in sich zusammenfallen, sich zurückziehen, nur um wieder gegen das Festland geschleudert zu werden.

Ich schaue zurück, und entdecke einen großen quadratischen Teich, eingefasst von einem sehr niedrigen Sims aus Edelstahl. Ich steige die Düne wieder hinab und gehe zum Teich. Darin schwimmen äußerst große Fische, das Wasser ist schwarz, und bietet nur wenige meter Sicht-tiefe, bevor sich jegliches Licht darin verliert. Neben dem Teich steht ein Wohnwagen. Die Tür ist offen, und einer dieser völlig sinnlosen Vorhänge aus bunten Plastikstreifen weht in der kühlen Briese. Ich rufe, doch niemand antwortet. Vor dem Wohnwagen stehen 2 weiß-gelb gestreifte Camping-Stühle, und ein niedriger Tisch, auf dem ein Korb mit Knollenblätterpilzen und ein Messerblock steht.

Ich schaue über den außerordentlich großen Teich, und kann in der Ferne 2 Gestalten erkennen, die sich auf mich und den Wohnwagen zu bewegen.

Es sind 2 kühl anmutende Frauen, sie tragen weiße Kleidung und Schwarze Schürzen, ihre Haare sind streng zu einem Dut nach hinten gebunden. Sie tragen beide gelbe Handschuhe und gelbe stiefel die ungewöhnlich hoch sind. Eine von ihnen trägt einen der Fische unter ihrem arm, die Andere einen weiteren Korb voller giftiger Pilze.

Ich will ihn ihr aus der Hand schlagen, aber sie lacht mich nur aus und ist auch viel zu flink für mich. Die Frau mit dem Fisch schaut traurig drein und erklärt mir: „Wir leben hier“ – Ich muss nicht sprechen, beide kennen meine Fragen und beantworten sie. Sie kamen vor längerer Zeit hier her und mussten einen Weg finden zu überleben. Außer Rasen und giftigen Pilzen gab es hier nichts. So bauten sie einen Teich und bevölkerten diesen mit Fischen aus dem Meer. Die Fische fütterten sie mit den für Menschen tödlichen-Pilzen. So werden die Fische schnell groß und fett. Sie legt den Fisch auf den Tisch und schneidet ihn mit einer Leichtigkeit entzwei wie andere Kuchen schneiden.

Das Fleisch des Fisches ist weiß wie die Pilze die sie Fressen, jedoch von violetten Adern durchzogen die unheilvoll pulsieren. Ich probiere von dem Stück dass sie mir mit der Messerspitze serviert, es schmeckt wie eine Art sehr cremiger Käse.

Da verspüre ich plötzlich ein starkes brennen im Nacken,ich lasse das Stück Fisch fallen und greife Unwillkürlich an die schmerzende stelle. Der Schmerz wird schnell so groß dass ich mich nicht mehr auf den beinen halten kann und auf meine Knie falle. Der Schmerz ist von geradezu lähmender Qualität. Wie durch mehrere Schichten dicker Kleidung spüre ich entfernt wie mich etwas packt und zum See zerrt. Mein letzter Eindruck von der oberen Welt sind die Gesichter der beiden Frauen, die mich böse lachend in das schwarze Wasser des Sees werfen.

Das Wasser ist extrem kalt, und unheimlich dunkel. ich verspüre die selbe ziehende kraft die mich schon zuvor auf dem Morast-Rasen nicht fort lassen wollte, nun in ihrer vollen Kraft. Ich komme nicht dagegen an und sinke immer tiefer in die untiefen des Sees. Bald ist kein Licht mehr von der Wasseroberfläche zu sehen. Absolute Dunkelheit.

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